RVK-Forum 2015

RVK-Forum 2015

Nach dem NEIN zur Einheitskasse: Ende gut, alles gut?

Luzern, 7 Mai 2015


Unser Gesundheitswesen zählt zu den besten der Welt – und soll es auch künftig bleiben. Schwachstellen sind jedoch vorhanden und meistens auch erkannt. Die Finanzierung, das Branchenimage sowie die Themen Chronic Care und Prävention fordern die Akteure heraus. Dem RVK ist es gelungen, alle relevanten Akteure an den runden Tisch zu bringen: Am RVK-Forum vom 7. Mai 2015 diskutierten hochkarätige Experten die Schwachstellen, beleuchteten sie aus verschiedenen Blickwinkeln und nannten Lösungsansätze. Über 150 Fachleute aus dem Gesundheitswesen verfolgten die spannende Debatte – moderiert von Hannes Blatter, Geschäftsführer Luzerner Forum.

Aus Sicht des RVK, Verband der kleinen und mittleren Krankenversicherer, bedarf es einer selbstkritischen Reflexion der Krankenversicherer, Leistungserbringer und der Politik, um mehrheitsfähige Lösungen zu erkennen und die dazu nötigen Massnahmen zu ergreifen. Helga Portmann, Leiterin Versicherungsaufsicht beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), erläuterte in ihrem Referat die wichtigsten Elemente von «Gesundheit2020» – zentrales Element sei die Stärkung der Aufsicht. Portmann führte aus, was sie von den Krankenversicherern heute und in Zukunft erwartet: Sie sollen sich zusammenraufen, um gemeinsame Lösungen zu finden. «Wann wir das nächste Mal über eine Einheitskasse abstimmen, hängt davon ab, wie sich die Krankenversicherer verhalten» so das Fazit von Portmann.

In der Podiumsdiskussion diskutierten Hugo Bossi (Lungenliga Thurgau), Morena Hostettler Socha (Ombudsstelle Krankenversicherung), Dr. med. Philippe Luchsinger (Hausärzte Schweiz), Rolf Meyer (Sympany), Dr. Gianni Roberto Rossi (Clinica Hildebrand), Dr. iur. Philipp Stähelin (alt Ständerat) und Stephan M. Wirz (Maklerzentrum Schweiz AG). Die Teilnehmenden analysierten zuerst die Ergebnisse der Einheitskassen-Abstimmung. Sie waren sich einig, dass eine erneute Abstimmung drohe, sofern sich im System nicht gewisse Parameter ändern. Trotz gewissen regionalen Schwierigkeiten in der Versorgungssicherheit sei nicht die Versorgung das Problem, sondern die Finanzierung des Gesundheitswesens. Das Volk habe eine Verstaatlichung im Gesundheitswesen deutlich abgelehnt, dieser Wille müsse berücksichtigt werden. Der Staat sei zuständig für die Rahmenbedingungen. Rolf Meyer von der Sympany erklärte: «Der Staat hat eine zu grosse Bedeutung, er lenkt zu stark. Die Akteure müssen mehr Eigeninitiative ergreifen können.» Hugo Bossi von der Lungenliga Thurgau befürwortete hingegen die Rolle des Staats: «In einem stark regulierten Markt ist der Staat wichtig.» Einig waren sie sich darin, dass die Patienten bei «Gesundheit2020» zu kurz kommen und diese mehr in die Pflicht genommen werden müssen.

Nach der Podiumsdiskussion fanden parallel drei Panels statt, um einzelne Themenbereiche zu vertiefen.

Panel «Branchen-Image»:
Trotz grosser Akzeptanz nahe am Gefrierpunkt. Was tun?

Yvonne Dempfle (KLuG Krankenversicherung), Sara Stalder (Stiftung für Konsumentenschutz), Dr. Bernhard Wegmüller (H+ Die Spitäler der Schweiz) und Stephan M. Wirz (Maklerzentrum Schweiz AG) diskutierten kontrovers die Rolle und das Image der Krankenversicherer. Auch die Anrufe von Makler wurden thematisiert: Für Wirz war klar, dass auch in der Grundversicherung Beratungsbedarf bestehe, um die verschiedenen Modelle und Franchisen zu erklären. Das fehlende Systemwissen beurteilte Yvonne Dempfle als einer der Gründe fürs schlechte Image. Sara Stalder stellte die Frage, warum es die kleinen und mittleren Krankenversicherer nicht schaffen, sich gegen die grossen Player durchzusetzen? «Es gibt Krankenversicherer, die sehr gut und professionell arbeiten. Häufig sind es gerade die regionalen Kassen. Sie sind aber zu wenig spürbar», führte sie aus.

Panel «Chronic Care»
Dauerpatienten als Prüfstein der Business-Ethik?

Dr. med. Philippe Luchsinger (Hausärzte Schweiz), Rolf Meyer (Sympany) und Dr. Gianni Roberto Rossi (Clinica Hildebrand) erörterten, welche Programme und Akteure heute bereits existieren, um chronisch kranke Patienten optimal zu betreuen. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass Chronic Care in den Kinderschuhen steckt und erst noch Fuss fassen muss. Die Frage nach dem Gatekeeper konnte nicht eindeutig beantwortet werden, dies hänge von der jeweiligen Situation ab. Es brauche einen runden Tisch – alle Akteure müssen aktiv mit einbezogen werden. Wer den organisieren soll, blieb offen.

«Prävention»
Von allen gefordert, von wenigen gefördert.

Valérie Krafft (Rheumaliga Schweiz), Dr. Thomas Mattig (Gesundheitsförderung Schweiz), Christian Scharpf (Agrisano) und Prof. Dr. Lukas Zahner (Universität Basel) beleuchteten die Strukturen, die Finanzierung und die Wünsche im Bereich der Prävention. Setze man einen Prämienfranken  für Präventionsprogramme ein, könne auf der Leistungsseite bis zu 40 Franken eingespart werden. Aus dieser Sicht müssten vermehrt Präventionsprogramme durchgeführt werden – die Wirksamkeit solcher Programme könne jedoch oft erst sehr viel später gemessen werden. Die Teilnehmenden waren sich einig: Präventionsprogramme benötigen Anreize, damit sie greifen können. Diese Anreize richtig zu setzen, stelle eine Herausforderung dar.

Für Charles Giroud, Präsident des RVK, haben die Diskussionen anlässlich des RVK-Forums gezeigt, dass nur gemeinsam – also alle Akteure zusammen – nachhaltige Lösungen erarbeitet und implementiert werden können. «Alle Player, und damit meine ich auch uns Krankenversicherer, wissen zwar, was sie von den anderen erwarten. Was wir selbst dazu beitragen können, fragen wir uns aber nur selten», fasste Giroud die Tagung zusammen. Es gehe primär nicht darum, die nächste Abstimmung zu verhindern, sondern sich so aufstellen, damit nachhaltige Lösungen geschaffen werden können. Sein Fazit: «Wir werden in Zukunft vermehrt aufeinander zugehen müssen – ich hoffe, wir konnten mit dem RVK-Forum, der einzigen Veranstaltung, die sich konkret mit den Systemmängel auseinandersetzt, einen Beitrag dazu leisten.»

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Bildinformationen: Bilder; jpg-Dokument. Download: http://www.rvkforum.ch

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